Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Termine

21.10.2017
DM 50 km, Schw. Gmünd

10.3.2018 (gepl.)
DM 100km, Rheine

8.4.2018
DM 50km, Ebershausen

9.6.2018

DM 6h Hoyerswerda

14.7.2018
DM Ultratrail, Maintal-Ultratrail

1.9.2018
DM 24h, Bottrop,BUF

Wir können auch anders. Nämlich kurz. Es muss nicht immer ein Marathon oder Ultra sein, ganz im Gegenteil gibt es in vielen Regionen kleine schöne Landschaftsläufe, die sich lohnen, an ihnen teilzunehmen. Ok, ich wäre hier sicher nie gestartet, wenn mich meine Nichte Lea-Marie nicht vor Monaten gefragt hätte, ob ich ihr einen Halbmarathon empfehlen könnte. Da fragte sie den Richtigen! Als jemand, der keine Menschenmassen mag und preisbewusst lebt, habe ich ihr als erstes von den großen City-Halbmarathons abgeraten und als "Möchte-Gern-Trailläufer" einen Landschaftshalbmarathon vorgeschlagen. Die Wahl fiel auf den Rheinhöhenlauf in Vettelschoß am Rande des Siebengebirges. Mit 350 Höhenmetern auch nicht zu anspruchsvoll, sondern gut zu laufen. Also angemeldet. Wir haben sogar einmal zusammen trainiert. Das reichte, um einigermaßen ihr Potential einschätzen zu können, denn klar war von Anfang an, dass ich sie begleiten und pacen würde.

RHL Gruppe

Etwas überraschend waren auch andere Ultrläufer unseres Vereins am Start: Ramona Franz und Torsten Lange waren mit ihrem Wohnmobil vor Ort, um das Gesamtpaket Run50 zu laufen, bei der in drei Wettbewerben insgesamt 50km gelaufen werden. Auf dem Bild sieht man Marlene Heller in ihrer Mitte. Sie hat erst vor kurzem so gut an der 24h-Lauf-DM in Gotha teilgenommen und unter anderem mit der Frauenmannschaft der über 50jährigen den ersten Platz erreicht.

RHL Strecke

Das Wetter zeigte sich sehr läuferfreundlich mit angenehmen Temperaturen, kein Wind. Die Strecke führte aus dem Ort in die Wälder des Westerwaldes und Siebengebirges. Dabei wurde immer auf breiten, gut laufbaren Wegen gelaufen. Es gab drei Getränkestationen, die mehr als ausreichend waren.

Hier sind Lea-Marie und ich bei km 1 und uns ging es supergut. Wir hatten einen Plan, etwa ein 6:30er Tempo zu laufen und an den An- und Abstiegen ein wenig zu variieren. Für Lea war es der erste Wettkampf überhaupt und es war nicht ganz klar, ob und wie sie durchkommen würde. Aber sie war gut vorbereitet und konnte die gesamte Strecke ohne irgendein Problemchen durchlaufen.

RHL Torsten

Als erster der Gruppe kam Torsten ins Ziel. Zwar stöhnte er als Niedersachse ein wenig über "die Berge", die er aber alle bravourös meisterte und kam nach 1:55 wieder im Start-Zielbereich an.

RHL Ramona

Ramona, die zusammen mit Torsten bereits das fünfte Mal an der Veranstaltung teilnahm, lief nach 2:02 ein, was eine Verbesserung ihrer alten Bestzeit um etwa 4 Minuten bedeutete! Sie ist erst vor zwei Monaten in Winschoten 50 km gelaufen.

RHL Lea

Lea und ich konnten unser Tempo sehr gut halten und sogar einen Endspurt hinlegen. Im Ziel gab es statt der üblichen Medaille ein Herzchen aus Lebkuchen. Eine schöne Erinnerung an ein besonderes Ereignis.

Text: Michael Irrgang, Fotos: Barbara Stumpf-Geisbauer

 

16. September 2017. Unser niederrheinisches Laufkombinat (Martina, Vera, Peter und ich) mit Hans aus Dortmund als westfälische Unterstützung nehmen am Pfälzer Triathlon teil – Essen, Trinken und Laufen. Alles drei kann man im Pfälzer Wald bekanntlich vom feinsten. Neben dem berühmten Riesling und den empfehlenswerten Spätburgundern, den Syrahs …, dem in der Kohl-Ära zu Berühmtheit gelangten Saumagen gibt es vor allem den Pfalz-Trail, der seinen Teilnehmern phantastische Laufpfade durch den Pfälzerwald bietet.

Pfalztrail vorm Start

Pünktlich um 6:30 Uhr geht es bei frühherbstlichen Temperaturen deutlich unter der Zehn-Gradgrenze los. Der Regen, der das Wetter in der zurückliegenden Woche auch im Pfälzer Wald bestimmt hat, nimmt eine Auszeit und der frühmorgendliche Himmel ist dunkelblau, mit einem schönen silbrigen Mond verziert – so schön kann ein früher Start sein. Ich freue mich auf die 85,6 km und bin optimistisch, dass meine Beine nach den vielen Höhenmetern beim UTMB vor zwei Wochen nicht mehr beleidigt sind und gut funktionieren. Bis auf die zwickenden Adduktoren läuft es nett rund und ich komme schnell in meinen (langsamen) Laufrhythmus.

Pfalztrail im ZielAn den in der ersten Hälfte des Laufes häufigen Verpflegungsstellen gibt es Wasser und die übliche Laufverpflegung. Die Strecke gefällt mir richtig gut, weicher Waldboden, Singletrails, Forstwege und viele laufbare Steigungen. Die Höhenmeter summieren sich auf knapp 2.500. Trotz der vielen Niederschläge der vergangenen Woche sind die Wege nicht matschig. Am Morgen ist es erfrischend sonnig und die kleinen nachmittäglichen Niederschläge erreichen uns nicht – wir laufen schließlich fast nur im Wald. Nach rund 40k meldet meine Beinmuskulatur, dass nun eigentlich genug gelaufen sei und ich eigentlich auch mal aufhören könnte, die Berge rauf und runter zu rennen. Der Kopf ist aber anderer Meinung. Bei der Verpflegung um den Kilometer 67 haben meine Beine die Hoffnung aufgegeben, dass ich das Rennen sein lasse. Leider aber auch die Eigenschaft, einigermaßen flüssig und locker zu laufen. Insbesondere das Runterlaufen sieht sicher zeitweise ein wenig hölzern aus. Zum Glück sind keine Kameras installiert und es gibt keine Noten für Schönlaufen. Aber, wie das beim Ultralaufen häufig passiert, läuft es sich irgendwann wieder ein wenig cremiger und ich kann für meine Verhältnisse relativ zügig nach Hertlinghausen ins Ziel laufen. Nach 12:03h laufe ich über die Ziellinie. Ich freue mich, dass auch alle Freunde vom Niederrhein schon bald im Ziel eintreffen und wir den Pfalztriathlon fortsetzen können. Der Pfalztrail ist sehr empfehlenswert und prima mit den anderen pfälzischen Paradedisiplinen (Essen, Trinken …) zu kombinieren!

Text und Fotos: Stefan Henscheid, 19.9.2017

Hans-Dieter Jancker und Falk Sittner vom Team „LG Ultralauf / SV Elbland Coswig/Meißen“;  Senior Master Men

1.Etappe Fischen im Allgäu – Lech am Arlberg

TAR1

Das Rennen beginnt gleich mit einer Streckenänderung – wegen Schnee in den Höhenlagen. Das werden also etwas weniger Höhenmeter, dafür ist die Strecke länger. Start im Dauerregen, der hört nach 20 Km langsam auf, aber die Bergwege werden zu Sturzbächen. Trotzdem sind Profil und Laufuntergrund eher moderat. Falk befindet sich schon mal im 7. Läuferhimmel, ich bin eher aufmerksam. Aber insgesamt bewältigen wir die Etappe „locker“.

TAR2

Im Ziel Platz 16 der Senior Master Men SMM (von 35), Platz 90 total. Das hat zur Folge, dass wir zur 2.Etappe bei Blockstart in Block A starten, nämlich Platz 1 – 90.

Fazit: Der Anfang ist gemacht! Wir sind drin im Rennen über die Alpen, nun schon in Österreich und es funktioniert mit uns als Läuferpaar auch im Hochgebirge!

2.Etappe Lech am Arlberg – St.Anton am Arlberg

Wieder gibt es eine Alternativroute wegen Schnee in der Höhe. Beim Start ist es sonnig, aber kalt 4-5Grad, also Handschuhe und Armlinge, aber bei Versorgungspunkt 1 (V1) hatten sie ihren Dienst getan. Startblock A war dann doch eher ungünstig für uns, denn beim Einstieg in den ersten Aufstieg hieß es anstellen, Schlange stehen, also Zeitverlust. Verschneite Bergwelt – fantastisch zu sehen und zu durchlaufen. Das Profil schwieriger als gestern, besonders der steile Aufstieg zur Ulmer Hütte. Einige Bachquerungen mit nassen Füßen, 2 Ausrutscher – einmal Wiese, einmal Bach – aber alles o.B.

Sonnenbrand im Gesicht. Abstieg nach St.Anton eher schwierig, steil, „Freude“ für die Oberschenkel. Falk machte die Pace, aber meist konnte ich gut folgen. Resultat Platz 14 heute! Also prima!

3.Etappe St.Anton am Arlberg – Landeck

Endlich mal ein Lauf auf Originalroute, aber wieder Dauerregen bis Km 20. Das ergab Schmierseifenwege! Und die Strecke ist offenbar länger als 39,9 Km, viele Starter haben so 43 Km auf der Uhr. Im Ziel erschien uns sogar die Sonne, dazu Platz 13 bei den SMM – das gibt Mut für die längste, die Königsetappe morgen!

4.Etappe Landeck – Samnaun

TAR3

Im Ziel echt platt! Doch die Königsetappe geschafft, im wahrsten, doppelten Sinne des Wortes. Einmal unterwegs den Hosenboden mit Schnee befeuchtet, aber viele Bachquerungen problemlos gemeistert. Mal erfrischender Nieselregen, mal Sonne, mal Sonne und Regen gleichzeitig – alles im Angebot. Und das mit Hexensattel und Ochsenscharte (2719m/2787m) als Höhepunkte. Die Namen sagen schon einiges. Die moderaten Anstiege in der Schlußpassage lagen uns und brachten am Ende in Samnaun – nun also in der Schweiz – wieder Platz 13 – man kann sagen; „Konstante Leistung“!

5.Etappe Samnaun – Scoul

Leichte Etappen gibt es nicht – „nur“ 39 Km (oder etwas mehr), mehr Ab- als Aufstiege, aber technisch schwierig, immer wieder volle Konzentration. Denn das ist ja nicht gerade meine Stärke. Überraschendes Glücksmoment im Ziel, nun also in Italien / Südtirol, heute Platz 11 SMM, auf Rang 12 total verbessert! Welch eine Tendenz! Vorfreude auf morgen – Uinaschlucht, die kenne ich noch von 2011 – aber 44 Km lang! Wie wird es gehen/laufen?

6.Etappe Scoul – Prad am Stilfserjoch

TAR4Hin- und hergerissen – gut reingekommen – super Strecke mit Höhepunkt Uinaschlucht – schlecht gelaufen! Tageswertung Platz 15 – trotzdem auf Platz 11 total verbessert! Was soll das bedeuten? Heute wieder insgesamt 10 Teams geplatzt … doch wir sind heil im Ziel und nur noch 31 km vor dem großen Finale in Sulden am Ortler. Pastaparty (nun reicht es langsam mit den Nudeln) heute mit Südtiroler Folkloretänzern! Es gibt so viel Schönes beim TAR!

TAR57.Etappe Prad am Stilfserjoch – Sulden am Ortler

Es ist vollbracht! Doch die Vorfreude auf Sulden hielt sich in Grenzen, Nebelnässe und Regen wechselten, dazu Kälte und Wind in der Höhe. Immerhin ging es rauf bis auf bis auf 2886m zur Tabarettascharte – welch poetisch klingender Name! Leider war bei den Bedingungen von der Landschaft zu Füßen des Ortlers rein gar nichts zu sehen. Wir konnten uns also voll auf die anspruchsvolle Strecke konzentrieren. Zwar waren es heute etwas weniger Km – 31 – aber dafür die meisten Höhenmeter aller 7 Etappen. Wegen der schlechten Wettervorhersagen war der Start auf 7 Uhr vorgezogen worden, denn es sollte am Nachmittag in Sulden stärker regnen. Das hieß also wieder vor 5 Uhr Aufstehen, etwas Frühstücken und zum Start und dem letzten Einchecken mit Kontrolle der Pflichtausrüstung! Ein Gedanke beschlich mich oft in diesen Stunden – mit jedem Schritt kommst Du dem Finale näher! Am Ende heute Platz 13 und total Platz 11 gehalten – super zufrieden.

Die Freude auf der Ziellinie ist in Worten nicht zu beschreiben! Je größer die Anstrengung umso größer die Freude, ganz tief in einem drin. Für solche Momente nimmt man Abenteuer wie den TAR auf sich, versucht seine Grenzen auszuloten. Ich glaube, da bin ich sehr nahe dran gekommen. 

Dieses Finishershirt ist echt wertvoll!

Text: Hans-Dieter Jancker, Bilder: Karin Sittner, 14.9.2017

Letztes Jahr in Basel hatte ich erstmals an solchen Meisterschaften teilgenommen - und es war mir damals schon eine Lehre: Von den 24Std hatte es damals ca 20Std geregnet und nachts nur noch wenige Plusgrade, eine Herkulesaufgabe, der ich mich damals gestellt habe. Und allen Widrigkeiten zum Trotz habe ich damals ein ganz gutes Ergebnis erziehlt. Heuer war ja nun diese DM einige Monate später und eine solche Kalt- und Regenfront sollte uns verschont bleiben.

Allerdings startete ich unter anderen Vorzeichen, die Saison läuft schon lange und ich habe mir bereits viele "Hochkaräter" in meinen Laufkalender geschrieben. Bereits einige 100Km-Läufe (z.B. DM in Berlin), vor einigen Wochen lief ich quer durch Deutschland und finishte 15 von 19 Etappen beim Race across Germany (runde 1000Km in 3Wochen), zuletzt noch 100Meilen beim Mauerweglauf.

Gotha 3

In wenigen Wochen den Spartathlon vor der Brust - ja ein wahrhaft straffes Programm. Sollte ich also die 24Std-DM als Vorbereitung für die 246Km durch Griechenland sehen - wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht tue - ich versuche es in meinen Jahresplan zu integieren, jedoch nehme ich jeden solchen Wettkampf für sich sehr ernst.

Zudem weiß ich, ich werde da in einem tollen Team LG Ultralauf unterwegs sein, dabei sehr viele meiner vertrauten Vereinskollegen/Freunde wiedersehen und auch neue Vereinsmitglieder kennenlernen bzw näher kennenlernen. Also fuhr ich mit einer gewissen Vorfreude nach Gotha und es waren ja nun wirklich viele LG Ultraläufer-innen da! Wir stellten das teilnehmerstärkste Team und wohl die beste Betreuung, die man sich vorstellen kann, hatten wir auch dabei.

Schon bei meiner Ankunft in der Turnhalle, wo ich die Nacht vor dem Lauf übernachtete, konnte ich viele Bekannte begrüßen - selbst ein guter Freund vom Deutschlandlauf, Bernhard Munz aus dem Allgäu, konnte ich aufs herzlichste begrüßen. In wie vielen Turnhallen hatte wir doch schon gemeinsam genächtigt? Da wächst schon eine besondere Freundschaft.

Ich machte mich auf dem Weg zur Abholung der Startunterlagen, den ersten Pavillion hatte Franz Holzleitner schon im Verpflegungsbereich aufgestellt, ein weiterer folgte noch. Es blieb noch Zeit, die Strecke zu besichtigen. Die Laufrunde erwies sich als ein "aufgebogenes U", an zentraler Stelle der Start-, Ziel- und Verpflegungsbereich. Etwa 15 - 20% der Strecke verlief im Begegnungsverkehr, getrennt durch Absperrungen. Den Rahmen bildete der englische Park und das Schloss Friedenstein und das ganze gespickt mit einigen Höhenmetern pro Laufrunde - das addiert sich dann schon und wird sich früher oder später kräftezährend auswirken. Der Untergrund mit vielen Kiesabschnitten wird so manches Steinchen zielgerichtet in die Laufschuhe befördern.

Doch erstmal ging es zum verabredeten Italiener in Gotha, wo sich der Großteil unseres Teams zum Abendessen versammelte. Hier wurde gescherzt, Geschichten ausgetauscht und nebenbei lecker gegessen. Auf dem Weg zur Turnhalle wußte ich, es ist reichlich Zeit, nochmals die Ausrüstung zu checken und da der Start erst auf 10Uhr terminiert, war, war auch am Morgen keine Hektik angesagt.

So blieb auch noch Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit Franz in einer nahen Bäckerei. Die Zeitnahmechips wurden abgeholt und die Verpflegung und Wechselklamotten in den Pavillions platziert, kurze Besprechung mit unseren Betreuern und schon machte man sich langsam auf den Weg, um sich zur Startaufstellung vorzubereiten.

Gotha 1

Hier erwartete uns eine Rekordbeteiligung bei einer 24-Std-DM - es warteten fast 160 Teilnehmer auf den Startschuss.

Zum Glück verteilten sich die Starter schnell über die Laufstrecke und jeder versuchte, sein Tempo zu finden - und da waren ja einige Favoriten dabei, die gleich mal richtig loslegten. Das war nicht mein Tempo, wenngleich ich mit einem Tempo, knapp über 6min pro km auch relativ flott unterwegs war. Die äußeren Umstände und der ausbleibende Regen ließen es zu, dieses Tempo über die nächsten Stunden zu laufen. Es rollte ganz gut dahin und dieses Tempo forderte keinen besonderen Tribut.

Zu Anfang verpflegte ich mich fast ausschließlich über die allgemeine Läuferverpflegung, das Angebot war reichlich und abwechslungsreich. Später ließ ich mir gelegentlich mal ein Gel, eigenen Isodrink oder eine Salztablette an unserem VP reichen - unsere Helfer machten das klasse und waren immer für eine kleine Aufmunterung gut. So lief es über Stunden relativ unaufgeregt und glatt - nach 10:13 Std hatte ich 100Km absolviert - was erstmals sehr flott und komfortabel klang - immerhin hätte ich nun ca 13:45Std Zeit für weitere 100Km, um eine neue persönl. Bestleistung aufzustellen. Doch ich weiß, wie unkalkulierbar so eine lange Laufzeit von 24Std ist und welche bösen Überraschungen da lauern können - als hätte ich es geahnt....

Es wurde nun die Streckenbeleuchtung eingeschaltet und ich persönlich fand sie alles andere als ausreichend, mag sein, dass ich da ein wenig anspruchsvoller bin, da ich nur mit einem Auge sehe und deshalb die Ausleuchtung für mich etwas wichtiger ist. Es wurde zwar leicht nachjustiert, aber ich empfand sie an manchen Stellen sehr notdürftig. Also etwas vorsichtiger laufen - mir blieb nicht anderes übrig. Das hatte dann aber doch eine "etwas bremsende Funktion" und so unbeschwert läuft man auch nicht mehr. Es war nun auch an der Zeit, etwas gegen die aufkommende Kühle zu tun. Anfangs reichten Armlinge, doch schon eine Stunde später zog ich eine leichte Jacke zusätzlich über und gelegentlich trank ich am VP warmen Tee.

Gotha 2Alle diese Umstellungen brachten vor allem eins mit sich - ich wurde langsamer und zwar in einem erschreckenden Maße. Dagegen wollte ich sofort etwas tun und ich beschloss, das Tempo etwas zu forcieren, bemerkte aber bald, dass dies nur mit einem erheblichen Kraftanstrengung möglich ist. Eine gute Stunde hielt ich das durch, dann wurde ich langsamer und kraftloser - es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich die 130km-Grenze erreichte. Dann kämpfte ich gegen die nachlassenden Kräfte und die Leere im Kopf. Ich versuchte wieder mal ein paar hundert Meter zu gehen und stellte zum x-ten Male fest: Ich kann das nicht, da schlafe ich quasi binnen kürzester Zeit ein .... laufe quer zur Strecke, von der Strecke, usw. Also wieder anlaufen - doch es musste etwas geschehen. Ich beschloss eine Pause an unserem Pavillion zu machen und anschließend gleich noch eine wärmere Jacke drüberzuziehen. Als ich mich auf den Stuhl setzte, war sofort Matze bei mir. Er war schon lange ausgestiegen und betreute mit. Er redete auf mich ein - ich solle bloß nicht aufhören und meine bisherige gute Laufzeit abschenken. Na klar! Er hatte Recht! Ich wollte auch gar nicht aufhören, aber topmotiviert war ich zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht. So saß ich eine ganze zeitlang in Decken eingehüllt da und fror trotzdem. Ich dachte an unsere Seniorenmannschaft, da wollten wir "was reißen" und weiter auskühlen wollte ich auch nicht - also wieder raus auf die Strecke und warmlaufen. Ich setzte mir immer wieder kleine Ziele, die nächsten 10Km vollmachen usw. belohnte mich mit heißen Tee oder auch mal Kaffee. Später nochmals für 15/20min ein Stopp an unserem VP. Ich bekam mit, auch Michael ist raus und schlief wohl im Auto. Ich wollte unbedingt weiter und in die Morgendämmerung reinlaufen. Ich wußte ja, es wird wieder besser - diese Erfahrung ist Gold wert.....

Mit der Helligkeit kam auch etwas Motivation zurück. Gegen 7Uhr hatte ich knapp 160Km, eine schwache Ausbeute in der Nacht .... aber ich war noch dabei! Ich entdeckte Michael und bat Ihn mal zu recherchieren, wie es denn so aussieht mit Teamwertungen, AK, usw.

Als ich später die Antwort erhielt, unser 50+Team liegt tatsächlich auf Platz1, aber Vorsprung lag aber wohl grade so bei 4Km - das ist nicht viel, bei fast noch 3Std für 3Läufer. Das gab mir einen Schub - ich wollte unbedingt dafür sorgen, das wir diesen Titel holen können ..... und ich war selbst erstaunt, welche Kräfte noch in mir steckten, was ich noch mobilisieren konnte - ich lief Rundenzeiten, die ich schon seit Stunden nicht mehr gelaufen war. Die Aussicht auf einen 3.Platz in der AK beflügelte mich noch weiter - ich lief wie aufgezogen bis zur letzten Sekunde um Punkt 10Uhr durch. Wir hatten tatsächlich den 1.Platz mit dem Seniorenteam erreicht und dabei den Vorsprung auf das zweitplatzierte Team auf über 10Km ausgebaut - zudem wurde ich Dritter in der AK M55.

Gotha 4

Siegerehrung AK 55

Dafür hat es sich gelohnt, zum Schluss noch mal alles auszupacken, was in mir steckte. Ich war mit 191,557Km zwar klar an meiner Bestleistung von 201Km gescheitert, doch es war meine zweitbeste Leistung bei einem 24-Std-Lauf.

An unseren Pavillions herrschte natürlich prächtige Stimmung - wir haben tolle Ergebnisse eingefahren: Auch das 50+Damenteam holte die Deutsche Meisterschaft. Die Frauen- und Männer-Teams wurden jeweils 2. in ihrer Wertung. Weiterhin erreichten wir viele tolle Einzelplatzierungen und letztendlich waren natürlich alle froh es endlich geschafft zu haben ....

Und als Krone erreichte die LG Ultralauf sogar noch den Gewinn des Titels "Mannschaft des Tages"! WOW!!!

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Siegerehrung mit der Mannschaft Männer 50+

Wir packten alle unsere Sachen zusammen und bereiteten uns auf die anschließende Siegerehrung vor. Es war ein tolles Erlebnis, dieses ganze Wochende, die Gemeinschaft in unserem Team: Läufer wie Helfer, manche habe ja als Läufer begonnen und sind, als sie aussteigen mussten, noch als Helfer geblieben. Das zeigt doch ganz klar, wie toll dieses Team funktioniert und zusammensteht. Ich bin absolut stolz Teil eines solchen Teams zu sein und freue mich schon auf die nächsten Treffen, allen voran natürlich die 50Km-DM in Schwäbisch Gmünd, die ja gleichzeitig eine Saisonabschlussfeier werden wird. Auch wenn ich da nicht laufen sollte - ich werde dabei sein!

Mit vielen schönen Erinnerungen habe ich anschließend meinen Heimweg angetreten - ich musste mehrfach einen Rastplatz ansteuern (wegen Müdigkeit), doch die Begeisterung und Freude hält nach wie vor an!

Nun werde ich mich also langsam auf meinen Saisonabschluß, die Spartathlon-Revanche vorbereiten.

Text: Roland Kraus, Bilder: Michael Irrgang, 09.09.2017

“No one will leave the tent without proper rain pants and waterproofed warm gloves!“ Nach dem Aufwärmen im Zelt und einer kleinen Verpflegung mit warmer Brühe und Baguette stehe ich mit einigen Läufern am Zeltausgang, um die nächste Etappe über den Col Ferret (2490m) auf der Südseite des Mont Blanc in Richtung Schweiz anzugehen. Seit der letzten Station, der Rifugio Bonatti bläst der Wind vom vor uns liegenden Gletscher herunter und es ist kalt. Es erwartet uns ein langer Aufstieg auf 2600m mit Wind, Schneefall und reichlich Matsch.

Es ist nach 2015 und 2016 mein dritter Start beim UTMB, dem berühmten Ultramarathon, der mit 171k und rund 10 000 Höhenmetern um die Mont Blanc Gruppe geht. Die UTMB-Runde startet in Chamonix, führt dann über St. Gervais und Contamines nach Courmayeur und dann über Champex-Lac, Trient und Vallorcine zurück nach Chamonix. Es sind Teilnehmer aus 58 Nationen vertreten. Bei meiner Anreise schaut es wie in den letzten zwei Jahren aus. Es ist sommerlich warm und ich bin in freudiger Erwartung optimaler Laufbedingungen. Der Wetterbericht und der vorsorgliche E-Mail-Hinweis des Veranstalters prophezeien allerdings für das Laufwochenende einen deutlichen Temperatursturz, starke Regenfälle in den Niederungen, Schnee in den Hochlagen und starken Wind. Auf den Bergen über 2000m soll die gefühlte Temperatur auf bis zu -9 C absinken. Der Veranstalter verändert daher vorsorglich die Strecke leicht, so dass von den 171k rund 167,5k mit 9500 Höhenmetern bleiben.

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Startbogen in Chamonix

01. September, Freitagabend, 18:30 in Chamonix - das Mont Blanc Dorf (oder vielleicht auch nur ich …) steht kurz vor dem Kollaps. Die Moderatoren heizen die Stimmung an und weisen die Läuferschaft freundlich daraufhin, dass sie eine lange Laufrunde mit Freude, Schmerz, Zweifeln und Pein erwartet. „Conquest of Paradise“ von Vangelis beschallt ganz Chamonix und sorgt für die nötige emotionale Atmosphäre. Ich bin froh, dass es endlich losgeht!

Das Wetter ist uns zunächst gut gesonnen. Es ist wolkig und es nieselt allenfalls ein wenig. Als ich am Top des ersten Berges, den Delevret ankomme, wird es dunkel, es regnet nun stärker und dichter Nebel lässt die Sicht im reflektierenden Licht der Stirnlampe unter 1m sinken. Als schlechter Starter tue ich mich nun mit beschlagener Brille beim anstehenden Downhill besonders schwer. Weil ein „Unglück“ selten allein kommt, bricht nun auch noch einer meiner Karbonstöcke ohne für mich ersichtlichen Grund und ich darf die Reise mit einem Stock fortsetzen. Ich vereinbare telefonisch mit Susanne, die mich bei den zugelassenen Verpflegungsstationen in der zweiten Nacht unterstützen möchte, dass ich vor dem Anstieg zum Bonhomme am Gorge de Notre Dame meine Ersatzstöcke bekomme. In allen Ortschaften, die wir durchlaufen, ist Party-Stimmung und es mangelt nicht an „Allez“- und „Bon Courage“-Zurufen. Der Anstieg zum Bonhomme, zunächst steil über Felsplatten und später über steile Singletrails, will nicht aufhören, bereitet mir aber - nun wieder mit zwei Stöcken ausgerüstet und gut gelaunt - keine Probleme. Nach rund 35k scheine ich auch meine „schwache Startphase“ überwunden zu haben und ich kann viele Plätze gut machen. Die „Maschine“ hat Betriebstemperatur erreicht und „es läuft“. Am nächsten Berg, dem Col de la Seigne, dämmert es gerade und das morgendliche Licht wird durch die weiß verschneite Berglandschaft verstärkt. Meine Handschuhe sind nicht die besten und ich bemühe mich, wieder Gefühl in die kalten Finger zu bekommen. Endlich beginnt der Abstieg zum Lac Combal. Wir sind in Italien. Es wird wärmer und ich freue mich auf Courmayeur. Die kleine technische Schleife über die Pyramides Calcaires fällt wegen des schlechten Wetters aus, so dass uns der nächste Aufstieg hinauf auf den Mont-Favre führt.

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Blick vom Mont Favre, Italien

Das Runterlaufen vom Mont-Favre nach Courmayeur macht Spaß. Die Sonne scheint und die Jacke kann im Rucksack verschwinden. Ich laufe gegen halb zwölf in Courmayeur ein. Wir haben nun fast 80k in den Beinen. Ich fühle mich leicht geplättet, bin aber gut gelaunt. Die Altstadt wirkt einladend nett und wir werden begeistert begrüßt. In der Verpflegungsstation vertrödele ich wie gewohnt beim Kramen in meinen Sachen ewig viel Zeit. Dabei wechsele ich eigentlich nur die Socken und esse ein wenig Baguette und Käse. Der anschließende Aufstieg zur Rifugio Bertone ist sonnig und steil. Die Regenjacke bleibt erst einmal im Rucksack. Ich treffe Luke, einen freundlichen und redseligen Engländer aus Dorset. Sein Dorset-Somerset-Dialekt bereitet mir leichte Verständnisprobleme und wird mir die Zeit bis kurz vorm Zieleinlauf verkürzen. Ab der Rifugio Bonatti kommt uns der Schnee oder Graupel bei kräftigem Wind waagerecht entgegen. Der Singletrail hinunter zur Verpflegungsstation in Arnouvaz ist so matschig, dass ich mich kaum auf den Füßen halten kann. In Arnouvaz ziehen wir alle verfügbare Kleidungsstücke an. Der Col Ferret empfängt uns schon beim Aufstieg mit einer steifen Brise und leichtem Schneefall. Luke quittiert den endlosen Anstieg mit einem trockenen „relentless“. Den Rest seiner Worte verstehe ich nicht - vielleicht auch besser so. Oben bei rd. 2600m angekommen, können wir keine Pause einlegen, sondern müssen sofort runter Richtung Schweiz, um nicht im Wind bitter auszukühlen. Wir laufen zügig die rd. 14k nach La Fouly hinunter. Es wird schnell wieder wärmer, aus dem Schnee wird leichter Regen und der Wind lässt erfreulicher Weise nach. Nach La Fouly ist die Strecke wegen der durchwachsenen Wetterverhältnisse wiederum verändert und wir laufen ein paar Kilometer auf Asphalt. Der Aufstieg nach Champex verwöhnt uns allerdings wieder mit einem steilen Trail (irgendwo müssen die Höhenmeter ja herkommen) und Matsch. Letzterer wird uns das Laufen auf den nächsten beiden Etappen nachhaltig schwer machen.

utmb 3Am VP in Champex

Aber zunächst wartet in Champex die liebe Susanne mit heißer Suppe, Kartoffeln und alkoholfreiem Bier – eine Wohltat. Danach wartet aber unvermeidlich der lange Aufstieg hinauf zur berüchtigt steilen Bovine. Matsch ohne Ende lässt mir den Aufstieg unendlich lange, steil und mühsam vorkommen. Beim Abstieg nach Trient wird der Matsch noch durch rutschige runde Felsblöcke „verfeinert“ – der UTMB ist schließlich ein Traillauf. Ich komme vollends entnervt in Trient an und wir legen eine kurze Schlafpause von zehn Minuten ein. Die nächste Etappe nach Vallorcine ist da wesentlich erfreulicher. Hinauf auf die Catogne genießen wir die ersten Sonnenstrahlen des Sonntagmorgens und hinunter nach Vallorcine geht es über einen sehr gut laufbaren Singletrail – ein schöner Sonntagmorgen. Von Vallorcine laufen wir über mehr oder weniger flach zum Col de Montet. Auch hier ist der Streckenverlauf wegen des Schlechtwetters des Vortages verändert und wir dürfen nicht auf den Tete aux Vents hinauf, sondern laufen über Felsblöcke und –platten, unterbrochen durch nette Singletrail-Passagen im Hoch-Runter-Zickzack Richtung Les Praz, um dort final zur letzten Station an der Seilbahnstation La Flegere hochzusteigen – die letzten Höhemeter! Von hier hat der UTMB bis zur Ziellinie noch schmale 8k über felsiges Downhill-Terrain. Ich bemühe mich, möglichst schnell hinunter zu kommen und freue mich auf ein kühles Finisher-Bier! Nach 44:13h laufe ich in Chamonix über die Ziellinie.

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Im Ziel angekommen

Trotz der leicht veränderten Strecke hat der UTMB für seine Teilnehmer alle Register gezogen: Sonne, Regen, Schnee, Wind, Matsch oder besser viel Matsch, Fels, knackige Anstiege, coole Downhills und technisch zu laufendes Terrain – UTMB ein komplettes Paket, all inclusive.

Text und Bilder: Stefan Henscheid, 7.9.2017